Lesenswert: Gegen das Binnen-I
Die Idee vom Binnen-I hätte man links liegen lassen können. Zwei Gründe. Erstens macht sie Texte hässlich. Es geht dabei gar nicht so sehr um die lächerlichen Exzesse wie das Geschwätz von “StühlInnen”, mit dem irgendwelche Übereifrigen in den Achtzigern das Publikum quälten. Der stete Zwang zur orthographischen Gegendiskriminierung bringt per se etwas Verkrampftes und Rechthaberisches in den Text ein und wirkt als einst emanzipativ gemeinter Regelbruch heute genau gegenteilig: Er ist zu Benimm geworden, den man in einem bestimmten, zum Glück immer kleiner werdenden Milieu einfach zu haben hat, so bescheuert die Konsequenzen auch sein mögen.
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Der zweite Grund, aus dem man das Verschwinden des Binnen-I nur unterstützen kann: Wie alle anderen Formen von Politial Correctness handelt es sich bei der orthographischen um eine Ersatzstrategie, die mangelnde Erfolge in der Hauptsache durch Stellvertreterkriege auf Nebenschauplätzen kaschieren will. Ja, gesellschaftliche Unterdrückungsverhältnisse schlagen sich in der Sprache nieder. Ja, dies sollte bemerkt und analysiert werden. Aber es hat noch nie geholfen, das eigentliche Problem lösen zu wollen, indem man es anders benennt, garniert, umdrapiert, neu verpackt (siehe auch: Neusprech für Hartz IV und Die deutsche Tradition der manipulativen Wortschöpfung).
Source: heise.de